Wie wir unsere Farbkorrektur bei FilmFix am besten anbieten, hat uns vor ein Dilemma gestellt. Einerseits profitiert jeder 8-mm-Film von etwas Farbkorrektur, damit die Überspielung auf Ihrem Fernseher natürlich aussieht. Andererseits ist der Preis unserer vollständigen, tiefgehenden Farbkorrektur (wir nennen sie „The Swiss Finish“) für manche Kundinnen und Kunden zu hoch. Farbkorrektur ist – immer und ohne Ausnahme – aufwendig. Unseren Kunden zuliebe mussten wir einen Weg finden, sie auf möglichst kluge Art erschwinglicher zu machen. Hier kam uns die 80/20-Regel zu Hilfe.
Bevor wir zur 80/20-Regel kommen und dazu, wie wir damit die Kosten der Farbkorrektur für Sie senken, müssen wir erklären, was die Farbkorrektur von 8-mm-Film erfordert und warum sie normalerweise so viel kostet.
Was die Farbkorrektur korrigiert
Als Beispiel – ohne Ihnen das Filmbild selbst zu zeigen – sehen Sie hier, wie ein stark verfärbter Film im Videoskop erscheint. (Das Videoskop – Waveform und Vektorskop – ist das Messinstrument, mit dem wir das Bild prüfen, an dem wir arbeiten.) Dieser Filmausschnitt hatte einen starken Magentastich.

Sie müssen dieses Instrument nicht so lesen können wie wir. Beachten Sie nur, dass die rote Kurve oben links viel höher ist als die blaue oben rechts. Die nächste Aufnahme zeigt denselben Ausschnitt nach der Farbkorrektur:

In allen drei Farbkurven liegen die höchsten und die tiefsten Punkte nun etwa gleich, mit ausreichend Abstand zur 0- und zur 100-Marke. Dieser Abstand ist wichtig, weil ein Fernseher und ein Computer dieselbe MP4-Datei nicht gleich behandeln. Ein Computer weiß mit Helligkeit über der 100-Marke, dem sogenannten „Superweiß“, und unter der 0-Marke umzugehen: Er zeigt sie trotzdem. Ein Fernseher tut das nicht. Was außerhalb der beiden Marken liegt, wird abgeschnitten: Die hellsten Stellen überstrahlen zu reinem Weiß, die dunkelsten versinken in reinem Schwarz, und die Details darin sind verloren. Bleibt das Bild innerhalb der Marken, bleiben die Details in den Schatten wie in den Lichtern erhalten – auf welchem Bildschirm Sie auch schauen.
Die drei Anpassungen hinter diesem Ergebnis
Mit welcher Software auch gearbeitet wird: Von der ersten Aufnahme zur zweiten führen immer dieselben drei Anpassungen:
- Die Mitteltöne ausgleichen.
In der Graubalance zeigt sich ein Farbstich am deutlichsten. Hier wurde die Magentaverschiebung des Films neutralisiert, indem den Grautönen Grün zugegeben wurde, und der Rotanteil wurde zu einem natürlicheren Rot hin verschoben. - Kontrast und Sättigung für den Bildschirm einstellen.
Der Kontrast wurde in einen fernsehtauglichen Bereich gesenkt, und etwas Farbsättigung wurde wieder hinzugefügt. - Schwarz und Weiß ausgleichen.
Schatten und Lichter bleichen anders aus als die Mitteltöne und erhalten deshalb ihre eigene Korrektur. So werden die Farben in den schwarzen, grauen und weißen Bereichen getrennt feinabgestimmt.
Farbkorrektur verlangt viele feine Anpassungen und ein geschultes, erfahrenes Auge, damit jede Szene stimmt.
Am Arbeitsplatz
In unserem Labor in Kalifornien werden alle drei Anpassungen in einem einzigen Fenster vorgenommen, dem Werkzeug „Primary Color Correction“ des Schnittprogramms Edius. „Lift“, „Gamma“ und „Gain“ sind die Schatten, die Mitteltöne und die Lichter, jeweils mit eigenen Reglern für Helligkeit (Y), Rot, Grün und Blau sowie einem Farbrad. Darunter liegen die Sättigung und die Kontrastkurve.

Hier dasselbe Fenster im Einsatz, eingestellt für einen Film, der sein Gelb verloren hat. Farbfilm ist in Schichten aufgebaut: ein klarer Träger und darauf, eine über der anderen, die Farbstoffschichten, aus denen die Farben entstehen. Die Gelbschicht ist die letzte, die äußerste. Sie ist der Luft und der Umgebung ausgesetzt und kann über die Jahrzehnte einen großen Teil ihres Farbstoffs verlieren. Fehlt das Gelb, driftet das Bild nach Blau und Magenta. Die Korrektur gibt das fehlende Gelb zurück, getrennt für Schatten, Mitteltöne und Lichter, denn die drei sind nicht gleich stark ausgebleicht:

Unser Schweizer Labor arbeitet mit DaVinci Resolve und Adobe Premiere. Die Werkzeuge sind andere; die Schritte und das Urteilsvermögen, das sie verlangen, sind dieselben.
Warum nicht einfach die Software machen lassen?
Schnittprogramme bieten inzwischen eine automatische Farbkorrektur an, und wir werden oft gefragt, warum wir sie nicht einfach verwenden.

Ein automatisches Werkzeug analysiert ein einzelnes Bild und wendet eine Gesamteinstellung für Helligkeit, Weißabgleich und Sättigung an. Für ein modernes Video genügt das oft. Für alten Film nicht: Ausgebleichter Film ist nicht gleichmäßig verschoben. Ein Magentastich sitzt in den Schatten anders als in den Lichtern, und ein automatisches Werkzeug hat weder getrennte Regler für Schatten, Mitteltöne und Lichter noch eine Kontrastkurve, um dem zu folgen. Eine Einstellung, die zum analysierten Bild passt, ist außerdem für die nächste Szene falsch, die bei anderem Licht gedreht wurde. Gerade die Feinheiten, die den Unterschied ausmachen, kann ein solches Werkzeug nicht leisten – die Arbeit bleibt also Handarbeit.
Wozu Farbkorrektur dient
Wenn wir eine Überspielung für die Farbkorrektur vorbereiten, suchen wir zuerst die Stellen im Film, an denen Farbanpassungen nötig sind. Farbkorrektur dient dazu:
- Farbverschiebungen durch die Alterung des Films zu beheben
(Im Beispiel oben ließen verlorenes Gelb und Grün den Film magenta erscheinen.) - Farbverschiebungen durch den falschen Filmtyp zu beheben
(Zum Beispiel wurde Kunstlichtfilm im Freien verwendet oder umgekehrt.) - Künstlerische Effekte anzuwenden
(Bei Farbfilm wenden wir in der Regel keine künstlerischen Effekte an; bei Schwarzweißfilm geben wir aber zum Beispiel manchmal einen wärmeren Ton.) - Die Überspielung für den Fernseher zu optimieren
(Wie oben erklärt, schneidet ein Fernseher ab, was ein Computer noch zeigt. Allgemein haben Fernseher einen engeren Kontrastumfang als Computer, so wie Computer einen engeren Kontrastumfang haben als Film. Den Kontrast des Films in den Bereich zu bringen, den ein Fernseher darstellen kann, muss in diesem letzten Schritt einer Filmüberspielung vorausgesehen und gelöst werden.) - Belichtungsfehler auszugleichen
(Der Film wurde bei der Aufnahme über- oder unterbelichtet.) - Beliebige Kombinationen davon
(Welche Mischung dieser Anpassungen Ihrer Überspielung auch die besten Farben gibt.)
Die Punkte 1 und 2 haben eine große Wirkung, ohne übermäßigen Aufwand und Zeit zu kosten. Punkt 1 braucht insbesondere nur eine Einstellung pro kleiner 7,5-cm-Spule (15 m / 50 ft).
Punkt 4 ist ebenfalls unverzichtbar, da Sie unsere Filmüberspielungen höchstwahrscheinlich auf Ihrem Fernseher ansehen. Schon aus diesem Grund sollte jede Überspielung zumindest eine kleine Farbkorrektur erhalten.
Die Punkte 1 und 2 hängen eng zusammen, da beide unerwünschte Farbverschiebungen im Film beheben. Die Punkte 4 und 5 hängen ebenso zusammen, da beide die Belichtung betreffen. Diese Zusammenhänge kommen ins Spiel, wenn wir die 80/20-Regel anwenden.
Wohin die Zeit geht
Was die Liste oben nicht zeigt: wie oft entlang einer Spule eine oder mehrere dieser Anpassungen neu vorgenommen werden müssen. Hier können die Zeit – und damit Ihre Kosten – in die Höhe schnellen, je nach Zustand Ihres Films. Wir könnten Voreinstellungen kopieren und einfügen, um Zeit zu sparen, aber das ergäbe eine schlechte Farbkorrektur für Ihre Überspielung. Der folgende Ausschnitt aus einer Schnitt-Zeitleiste zeigt, wie oft bei einer Filmüberspielung typischerweise eine neue Anpassung nötig ist:

Der obere Bereich hat sechs orange Dreiecksmarken; jede markiert den Anfang einer neuen 7,5-cm-Spule. Etwa alle 3:40 Minuten folgt eine orange Marke.

Der goldene Streifen ist das Filmbild. (Der grüne Streifen ist die Tonspur.) Jede senkrechte schwarze Linie im goldenen Streifen zeigt, wo eine neue Farbeinstellung gesetzt wurde.

Wie dieses Beispiel zeigt, ist die Farbkorrektur bei FilmFix alles andere als ein automatischer Vorgang. Sie ist sehr arbeitsintensiv, mit vielen Entscheidungen aus Erfahrung, Szene für Szene. Anders gesagt: Wir passen die Farbkorrektur jeder einzelnen Überspielung dem Zustand genau dieses Films an.
Tatsächlich zeigt das Beispiel oben verhältnismäßig wenige Übergänge pro Minute, verglichen mit stark gealtertem Film. Alter Film braucht oft viel dichtere Neueinstellungen für eine Überspielung von höchster Qualität. Am häufigsten ist das beim älteren Normal-8-Format der Fall, weil diese Kameras keine Belichtungshilfe hatten und weil sparsam gefilmt und lange Einstellungen vermieden wurden. Film war teuer!
Die 80/20-Regel
Mit dieser Grundlage kommen wir zum Thema dieses Artikels: Was ist die 80/20-Regel, und wie hilft sie?
Samuel Blume – ein enger Jugendfreund des FilmFix-Gründers und Programmierer aus Leidenschaft – hat uns damit bekannt gemacht. Die 80/20-Regel (auch Paretoprinzip genannt) lässt sich auf vieles anwenden.
Die Regel besagt: „Mit 20 % des Aufwands sind 80 % erledigt, und die restlichen 20 % der Arbeit brauchen weitere 80 % des Aufwands.“ Beim gründlichen Aufräumen eines unordentlichen Zimmers kennt man das. Wie Murphys Gesetz hat das Paretoprinzip viele Ableitungen und Varianten, aber der Grundgedanke trifft auf die Farbkorrektur von Filmüberspielungen zu.
Bei der Anwendung der 80/20-Regel auf die Farbkorrektur konzentrieren wir uns auf die Punkte 1 (Alterung des Films korrigieren), 2 (falschen Filmtyp ausgleichen), 3 (künstlerische Filter für Schwarzweißfilm) und 4 (für den Fernseher optimieren) der Liste oben. Die Beschränkung auf diese vier Ziele verringert die Zahl der nötigen Anpassungen deutlich.
(Punkt 5 – die Belichtungskorrektur – sind die letzten 20 % der Farbkorrektur, die die zusätzlichen 80 % der Zeit verlangen! Der Grund ist etwas technisch, aber die gute Nachricht: Die Anpassung von Punkt 4 behebt viele Belichtungsprobleme gleich mit, ohne die Arbeit Szene für Szene, die eine eigene Belichtungskorrektur erfordert.)
Das verkürzt die Zeit pro Auftrag und bringt uns trotzdem 80 % des Weges zur bestmöglichen Farbkorrektur. Es ergibt nicht das perfekte Resultat des weit teureren Verfahrens, aber ein sehr gutes – und weit erschwinglicheres. Indem wir die letzten, zeitaufwendigsten 20 % weglassen, sparen wir Ihnen 80 % der Kosten: Die 80/20-Farbkorrektur kostet 20 % dessen, was The Swiss Finish kostet.
Bitte beachten Sie: Die 80/20-Farbkorrektur funktioniert gut, wenn jeweils 15 m (50 ft) Film aus einem einzigen Filmmaterial bestehen. Das ist bei kleinen 7,5-cm-Spulen der Fall und bei großen Spulen, die aus aneinandergeklebten 15-m-Spulen bestehen. Bei der 80/20-Farbkorrektur beschränken wir uns auf eine bis zwei Korrekturen pro 15 m. Enthalten Ihre großen Spulen geschnittenen Film mit kurzen Ausschnitten aus verschiedenem Filmmaterial, sind Sie mit The Swiss Finish besser bedient.
Bitte bedenken Sie: Wir müssen die 80/20-Regel bei Ihrer Filmüberspielung nicht anwenden – Sie können auch das volle Programm haben! Wir streben immer nach Perfektion. Sagen Sie uns einfach, wenn Sie The Swiss Finish für Ihre Filmüberspielungen wünschen.
Eine 10-Bit-Datei hält Ihnen alle Möglichkeiten offen
Wenn Sie die 80/20-Farbkorrektur wählen, bestellen Sie bitte nach Möglichkeit mehr als nur eine MP4-Datei. Eine MP4-Datei ist eine 8-Bit-Datei. Wir empfehlen, dass wir Ihnen zusätzlich eine 10-Bit-Datei (ProRes 422 HQ) liefern. So gelingt jede spätere Farbkorrektur besser. Die folgende Abbildung vergleicht eine 8-Bit- mit einer 10-Bit-Datei. Die 10-Bit-Datei hat viel mehr verfügbare Farben und damit einen deutlich weicheren Verlauf:


Zusammenfassung
Bei FilmFix bieten wir zwei Möglichkeiten der Farbkorrektur für Ihre Filmüberspielungen, passend zu Ihrem Budget und Ihren Qualitätsansprüchen. Die Farbkorrektur in bester Qualität braucht viel zusätzliche Zeit und kostet deshalb deutlich mehr als unsere günstigere Variante. Durch die kluge Anwendung eines Prinzips, das als 80/20-Regel bekannt ist (und übrigens in vielen Lebensbereichen gilt!), haben wir eine Methode der Farbkorrektur entwickelt, die 80 % des Spitzenergebnisses für 20 % seiner Kosten liefert.
Und wenn Sie Ihre Filmüberspielung mit der Farbkorrektur in Spitzenqualität wünschen, The Swiss Finish, bieten wir sie Ihnen gern. Wir machen das sogar besonders gern, denn wir sind Perfektionisten!